Vielfalt in der Belegschaft – ein schwer vernachlässigter Erfolgsfaktor ?!

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Serie Realitätsverweigerung #8

Reinhard Bacher, 3.12.2012

Das diesjährige OpenMind-Festival der ARGEkultur in Salzburg stand unter dem Motto „überLeben“. Unter anderem fanden im Rahmen dieses Festivals eine Diskussionsveranstaltung und ein Workshop zum Thema „Anerkennung statt Dequalifikation“ statt. Beleuchtet wurden dabei die Hintergründe, dass der österreichische Staat trotz schrumpfender Erwerbsbevölkerung, Überalterung der Gesellschaft und Fachkräftemangels ein Drittel der hier lebenden MigrantInnen unter ihrer Qualifikation beschäftigt.

Man könnte ja meinen, dass es doch ohnehin schon die Rot-weiß-rot-Card gibt und qualifizierte Menschen jederzeit gerne willkommen sind. Man könnte – ähnlich wie bei der Bildungsdiskussion – den „Schwarzen Peter“ der Politik zuschieben, sie möge doch für die Integration der MigrantInnen sorgen. Die Politik ist ein wesentlicher Spieler, aber ihr alleine den Ball zuzuspielen, ist zu kurz gegriffen!

Außerdem ist Diversity Management ein nicht zu unterschätzender Wettbewerbsvorteil: erfolgreiche Unternehmen fördern schon seit geraumer Zeit bewusst die Vielfalt in der Belegschaft.

Und dabei geht es nicht wie früher darum, nur billige Arbeitskräfte zu beschäftigen. Natürlich überwiegen die ökonomischen Ziele. Eine Studie des Kölner Diversity-Experten Michael Stuber hat gezeigt, dass diese Firmen neue Kundengruppen erobern konnten, sich die Arbeitsatmosphäre verbessert hat, und sogar Krankheits- und Fehlzeiten reduziert werden konnten. Nach einer US-amerikanischen Studie weisen Unternehmen, die in der Öffentlichkeit für ihre Diversity-Aktivitäten bekannt waren, auch einen vergleichsweise höheren Firmenwert auf.

Es ist eigentlich schon 5 nach 12, um sich über Diversity-Management für die Zukunft zu rüsten. Die Vielfalt zu nutzen kann dabei nicht einfach an die Personalabteilung oder den Rekrutierungsprozess delegiert werden. Es ist Aufgabe und Verantwortung des Top-Managements, dafür zu sorgen, dass die Vielfalt zunächst einmal erkannt, wertgeschätzt und dann richtig gemanagt wird.

In Deutschland gibt es seit 2006 die Charta der Vielfalt, die schon von mehr als 1250 Unternehmen unterzeichnet wurde.

Wer sich ernsthaft mit Diversity Management beschäftigt, wird also sehen und merken, dass damit auch ganz neue Potenziale nutzbar sind. Menschen aus anderen Kulturkreisen gehen anders an Themen heran, bringen andere Ideen ein, schaffen ein Verständnis für Andersartigkeit. Anfängliche Berührungsängste werden abgebaut.

Und gerade damit liefern die Unternehmen, die diese Vielfalt in der Belegschaft aktiv fördern und nutzen, auch einen wesentlichen Beitrag zur gesellschaftlichen Offenheit – in einem Land wie Österreich, in dem die öffentliche Meinung von einer einzigen Zeitung massiv geprägt wird, ein nicht zu unterschätzender Beitrag!

Die Erkenntnisse aus den ARGEkultur-Veranstaltungen waren übrigens, dass weiterhin ein wirkliches Verständnis zu Diversity sowohl in Politik als auch in der Beamtenschaft fehlt und der vorhandene Alltags-Rassismus Handlungen schwierig macht. Welche Erfahrung haben Sie diesbezüglich schon gemacht?

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