Jahreswechsel – Wunsch und Wirklichkeit

Alexander Schön

Serie Realitätsverweigerung #11

Alexander Schön, 31.12.2012

Da sind sie wieder: Die Vorsätze und Wünsche zum neuen Jahr. Die Wunsch-Novizen wünschen sich , etwas nicht mehr zu tun: etwa nicht mehr zu rauchen, nicht mehr so viel Alkohol, nicht mehr so viel arbeiten, etc. – vielleicht nicht wissend, dass wir nicht nicht denken können … Die Fortgeschrittenen konzentrieren sich auf ein „weniger von … und mehr an“, etwa weniger zu essen und sich mehr zu bewegen, etc. Die Profis – meist mit einem zwinkernden Auge und doch irgendwie hoffend – wollen diesmal etwas anders machen, wenn es um die aktive Gestaltung der eigenen Zukunft geht. Ein löblicher Ansatz, doch die meisten Neujahrsvorsätze werden nach wenigen Wochen unerfüllt und als unerfüllbar abgehakt. Wie schreibt schon der Dichter:

Ein großer Teich war zugefroren;
Die Frösche, in der Tief verloren,
durften nicht ferner quaken noch springen,
versprachen sich aber im halben Traum,
fänden sie nur da oben Raum,
wie Nachtigallen wollten sie singen …

Der Tauwind kam, das Eis zerschmolz,
nun ruderten sie und landeten stolz
und saßen am Ufer weit und breit
und quakten wie vor alter Zeit.

Das Scheitern wundert uns ohnehin nicht allzu sehr. Tief im Inneren wissen wir, dass ein Wunsch gewissermaßen auch ein Eingeständnis von Machtlosigkeit ist und wir mit ihm auch in bestimmter Weise Verantwortung abgeben. „Wer nicht weiß, was kommt, wünscht sich die Macht des Schicksals in Form von Glück herbei.“, formulierte Alois Pumhösel diesen Gedanken. „Und um nicht vollkommen ungewappnet ins Ungewisse zu gehen, steht lediglich der schlichte Wunsch zur Veränderung, der gute Vorsatz, bereit. Er soll dem Schicksal etwas Eigenverantwortung abringen. …

Wie sich Erfolg trotzdem einstellen kann? So sehr der Wunsch nach Patentrezepten verständlich ist: es gibt sie nicht. Selbst ein ausgezeichnetes Rezept garantiert kein köstliches Gericht.
Am ehesten noch folgendes. Es kommt – wie könnte es auch anders sein – von einer erfahrenen Köchin (Katharina Elisabeth Goethe (1731-1808), Mutter von oben angeführtem Dichterfürsten Johann Wolfgang):
Man nehme 12 Monate, putze sie sauber von Neid, Bitterkeit, Geiz, Pedanterie und zerlege sie in 30 oder 31 Teile, so dass der Vorrat für ein Jahr reicht. Jeder Tag wird einzeln angerichtet aus 1 Teil Arbeit und 2 Teilen Frohsinn und Humor. Man füge 3 gehäufte Esslöffel Optimismus hinzu, 1 Teelöffel Toleranz, 1 Körnchen Ironie und 1 Prise Takt. Dann wird die Masse mit sehr viel Liebe übergossen. Das fertige Gericht schmücke man mit Sträußchen kleiner Aufmerksamkeiten und serviere es täglich mit Heiterkeit.

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