Feedbackkultur

11. February 2013

Alexander Schön

Serie Realitätsverweigerung #14

Alexander Schön, 11.2.2013

In vielen Unternehmen ist wieder die Zeit der Mitarbeitergespräche und es ist sicher kein Zufall, dass sich die Anfragen für Coaching zum Thema herausfordernde Gespräche um diese Zeit häufen. Vielfach wird noch immer angenommen, man könne als Führungskraft seine Mitarbeiter in einem Gespräch bewerten, belohnen, bestrafen, vergüten, motivieren und entwickeln.

Mitarbeitergespräche sind zu einem kulturellen, fast anthroposophischen Symbol der väterlichen Boss-Untergebenen-Beziehung geworden, die charakteristisch ist für patriarchalische Organisationen. Dies ist eine Übung in Herrschaft, egal mit wie viel Sorgfalt sie betrieben wird.“ schreibt der amerikanische Organisationsberater Peter Block.

Was nottäte, wäre vielmehr eine Kultur des Feedbacks – einer steuerungsrelevanten Rückmeldung jenseits der persönlichen Befindlichkeit und hierarchie-orientierten Bewertung.

Ein schönes Beispiel für praktisches Feedback hat – wenn auch eher unbeabsichtigt – die Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs geliefert. In dem international mehrfach prämierten TV-Spot “Blinde Piloten” (Wir sehen anders) wird für ein entspanntes Miteinander von sehenden und blinden Menschengeworben.

Stellen Sie sich folgende Szene vor:
Zwei Piloten spazieren in das Cockpit ihres Flugzeuges in Begleitung ihres Blindenhundes. Die Maschine startet, Read the rest of this entry »


„Du kannst tun, was Du willst, …

4. February 2013

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Serie Realitätsverweigerung #13

Reinhard Bacher, 21.1.2013

Du musst nur wissen, was Du tust!“

Es ist für mich immer wieder unglaublich, wie viele Verantwortliche in Politik, Verwaltung und Wirtschaft offenbar nur den ersten Teil dieser Lebensweisheit befolgen.

Das Übel liegt darin, dass oft nur das Handeln und allenfalls kurzfristige Erfolge beurteilt werden, jedoch nicht die (nachhaltigen) Auswirkungen des Handelns. “… Du musst wissen, was Du tust – und das verantworten!”

Um dieses „hinter mir die Sintflut“-Syndrom in den Griff zu bekommen, müssten radikal Erfolgsbeurteilungs-Systeme umgestellt werden. Nachhaltigkeitsmanagement ist das Zauberwort.

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Es hat sich bewährt …

21. January 2013

Alexander Schön

Serie Realitätsverweigerung #12

Alexander Schön, 21.1.2013

Die aktuelle Diskussion rund um die Volksbefragung pro und contra Wehrpflicht hat bei mir des Öfteren zu verständnislosem Kopfschütteln geführt.
Es waren schon sehr eigenartige Rechtfertigungen – auf beiden Seiten der Argumentation. Und wenn die Anerkenntnis, dass Dinge einfach so sind, wie sie sind, nicht so traurig wäre, wär’s schon wieder zum Lachen. Beispiele?
Da erklärt doch tatsächlich jemand, das System der Wehrpflicht habe sich seit 60 Jahren bewährt und es sei daher das Beste, es beizubehalten. Zieht man in Betracht, dass sich die Umwelten dieses Systems in diesen 60 Jahren mehrfach verändert haben, so ist diese Aussage ziemlich realitätsfremd. Zieht man sie nicht in Betracht, schlichtweg realitätsverweigernd.
Nach der Wahl haben Wahlforscher Leute gefragt, die gerade aus dem Wahllokal kamen, ob sie denn für die Wehrpflicht oder die Beibehaltung des derzeitigen Systems (sic!) gestimmt hätten. Sie ahnen es: Nicht wenige votierten entrüstet für den Status quo …
Die etwas seriöseren fragten nach den Motiven für die Entscheidung. Eines, das im Vorfeld kaum zur Sprache kam, war: „Ein bisschen Disziplin schadet [den Jungen] nicht.“ (In der Gruppe der über Sechzigjährigen stimmten mehr als 70 Prozent für die Beibehaltung der Wehrpflicht …)
Was bedeuten solche Verhaltensweisen für Organisationen? In Unternehmen ist ja quasi jeder Tag ein Abstimmungstag. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen treffen jeden Tag die Wahl und geben Antworten: Bleibe ich dem Unternehmen verbunden oder nicht? Werden die richtigen Fragen gestellt? Und stehen dahinter nachvollziehbare Konzepte? Welche Möglichkeiten habe ich, mich einzubringen? Wie wird mit Veränderungen umgegangen? Sorgen die Führungskräfte als Vertreter des Unternehmens adäquat für notwendige Stabilität auf der einen Seite und für genügend Veränderung auf der anderen Seite? Werde ich ernst genommen (oder ist diese Befragung ein Anschlag auf meine Intelligenz)? etc.
Oder heißt es – wie nach wie vor beobachtbar: „Bei uns läuft das so.“ „Das haben wir immer schon so gemacht.“, eventuell mit dem Zusatz „…, weil es sich bewährt hat!“)?
Fast 20 Jahre ist es her, dass Hamel/Prahalad das wegweisende „Competing for the Future“ geschrieben haben. In dem Buch ist folgende Anekdote beschrieben:
In einem Experiment wurden Read the rest of this entry »


Jahreswechsel – Wunsch und Wirklichkeit

31. December 2012

Alexander Schön

Serie Realitätsverweigerung #11

Alexander Schön, 31.12.2012

Da sind sie wieder: Die Vorsätze und Wünsche zum neuen Jahr. Die Wunsch-Novizen wünschen sich , etwas nicht mehr zu tun: etwa nicht mehr zu rauchen, nicht mehr so viel Alkohol, nicht mehr so viel arbeiten, etc. – vielleicht nicht wissend, dass wir nicht nicht denken können … Die Fortgeschrittenen konzentrieren sich auf ein „weniger von … und mehr an“, etwa weniger zu essen und sich mehr zu bewegen, etc. Die Profis – meist mit einem zwinkernden Auge und doch irgendwie hoffend – wollen diesmal etwas anders machen, wenn es um die aktive Gestaltung der eigenen Zukunft geht. Ein löblicher Ansatz, doch die meisten Neujahrsvorsätze werden nach wenigen Wochen unerfüllt und als unerfüllbar abgehakt. Wie schreibt schon der Dichter:

Ein großer Teich war zugefroren;
Die Frösche, in der Tief verloren,
durften nicht ferner quaken noch springen,
versprachen sich aber im halben Traum,
fänden sie nur da oben Raum,
wie Nachtigallen wollten sie singen …

Der Tauwind kam, das Eis zerschmolz,
nun ruderten sie und landeten stolz
und saßen am Ufer weit und breit
und quakten wie vor alter Zeit.

Das Scheitern wundert uns ohnehin nicht allzu sehr. Tief im Inneren wissen wir, dass ein Wunsch gewissermaßen auch ein Eingeständnis von Machtlosigkeit ist und wir mit ihm auch in bestimmter Weise Verantwortung abgeben. „Wer nicht weiß, was kommt, wünscht sich die Macht des Schicksals in Form von Glück herbei.“, formulierte Alois Pumhösel diesen Gedanken. „Und um nicht vollkommen ungewappnet ins Ungewisse zu gehen, steht lediglich der schlichte Wunsch zur Veränderung, der gute Vorsatz, bereit. Er soll dem Schicksal etwas Eigenverantwortung abringen. …

Wie sich Erfolg trotzdem einstellen kann? So sehr der Wunsch Read the rest of this entry »


Rechtfertigungen einmal anders …

10. December 2012

Alexander Schön

Serie Realitätsverweigerung #10

Alexander Schön, 10.12.2012

Im Rahmen eines groß angelegten Veränderungsprojektes beschäftigt mich gerade ein Phänomen, das ich zwar schon öfter erlebt, aber noch nie so bewusst in allen Facetten benannt gefunden habe:
Veränderung muss sich umfassend rechtfertigen und ihre Absichten und Zielsetzungen penibel begründen – das Beibehalten des Status Quo, das Festhalten am bisher Gewohnten, praktisch überhaupt nicht.

Stellen Sie sich vor: Eine neue Geschäftsführerin konfrontiert, nachdem sie sich einen ersten Überblick verschafft hat, die Abteilungsleiter im nächsten Management-Meeting: „Unsere Erträge sind rückläufig, wir stagnieren bei den Kunden und unsere Dienstleistungen werden oft bemängelt. Meine erste Diagnose: Unser Geschäftsmodell, unsere Auffassung von Leadership und unsere Organisationsform widersprechen sich.“
Viele würden jetzt fragen: „Was können wir tun?“ Manche wären schon weiter und fragten (dem First Law of Holes ausweichend: If you are in one stop digging!): „Was müssen wir anders tun?“ Unsere Geschäftsführerin fordert aber: „ … Begründen Sie mir gut, warum wir so weiter arbeiten sollen, wie wir es derzeit tun!

Es bräuchte wahrscheinlich mehrere Iterationen bis all der Argumentationsmüll rund um Besitzstandregelung (engl.: grandfathering), Machterhaltung, simple Ursache-Wirkungs-Logik, Not-invented-here-Syndrom, u.a.m. entsorgt wäre. Aber dann könnten ein paar Pretiosen zum Vorschein kommen. Etwa das gegenseitige Verständnis von Realitäten oder zumindest deren Anerkenntnis.

Vielfach ist zu beobachten, dass Unternehmen noch immer so agieren, als ob Zukunft vorhersagbar wäre. Zumindest deuten die angewandten Handlungsstrategien darauf hin. Die klassischen Managementmethoden in dieser Annahme heißen Read the rest of this entry »


“Falsches wird effizienter gemacht!”

4. December 2012

Viele Qualitätssysteme erheben den Absolutheitsanspruch – und machen nur grundlegend falscheHFKarner_Foto_by_Eva_Karner_13 Prozesse effizienter, kritisiert Helmut F. Karner. (Aus dem Industiemagazin Dezember 2012)

Serie Realitätsverweigerung Nr.9

Damit wir uns gleich verstehen: Ich bin nicht gegen Qualität. Natürlich nicht. Aber gegen den Hype mit den Qualitätssystemen.

Unser altösterreichischer Managementguru Peter Drucker sagte schon 1993: „Nothing is less productive than trying to make more efficient what should not be done at all!“Auf deutsch heisst das: “ISO 9000”. “Bist Du für Qualität, dann sei gegen ISO 9000”, so Reinhard K. Sprenger.

Also: Wenn ich das Falsche (= unnötige, für den Kunden nicht wertschöpfende Tätigkeiten) mache, das aber bestens dokumentiere und die Mitarbeiter ordentlich darauf dressiere, bekomme ich schon den Zertifikationsstempel.

Das Problem liegt hiermit nicht bei den Qualitätssystemen, sondern im Vorfeld. Wenn die Aufbauorganisation falsch ist, dann schafft sie per definitionem „Muda“, also Verschwendung, Redundanzen (in den Schnittstellen zwischen den Abteilungen). Die funktionale, abteilungsbezogene, verrichtungsorientierte Organisation (erfunden 1776 von Adam Smith, verfeinert 1911 von Frederic Taylor) ist das Problem. Wenn ich darin optimiere, betoniere ich nur die unnötigen Tätigkeiten ein. Und in diesem Sinne wird die IT auch zum Produktivitätsvernichter: wer die falschen Prozess automatisiert, kriegt sie nie wieder los! Die Optimierungs- und Produktivitätsberater haben ihr florierendes Business also den falschen Organisationsdesignern zu verdanken, vor allem deren größten Dilettanten – in den Vorstandsetagen. Read the rest of this entry »


Vielfalt in der Belegschaft – ein schwer vernachlässigter Erfolgsfaktor ?!

3. December 2012

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Serie Realitätsverweigerung #8

Reinhard Bacher, 3.12.2012

Das diesjährige OpenMind-Festival der ARGEkultur in Salzburg stand unter dem Motto „überLeben“. Unter anderem fanden im Rahmen dieses Festivals eine Diskussionsveranstaltung und ein Workshop zum Thema „Anerkennung statt Dequalifikation“ statt. Beleuchtet wurden dabei die Hintergründe, dass der österreichische Staat trotz schrumpfender Erwerbsbevölkerung, Überalterung der Gesellschaft und Fachkräftemangels ein Drittel der hier lebenden MigrantInnen unter ihrer Qualifikation beschäftigt.

Man könnte ja meinen, dass es doch ohnehin schon die Rot-weiß-rot-Card gibt und qualifizierte Menschen jederzeit gerne willkommen sind. Man könnte – ähnlich wie bei der Bildungsdiskussion – den „Schwarzen Peter“ der Politik zuschieben, sie möge doch für die Integration der MigrantInnen sorgen. Die Politik ist ein wesentlicher Spieler, aber ihr alleine den Ball zuzuspielen, ist zu kurz gegriffen!

Außerdem ist Diversity Management ein nicht zu unterschätzender Wettbewerbsvorteil: erfolgreiche Unternehmen fördern schon seit geraumer Zeit bewusst die Vielfalt in der Belegschaft.

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