Unternehmensberater: Traum oder Albtraum?

1. April 2012

Ein Aussteiger erzählt, warum er den Beraterjob nicht mehr aushielt. Er möchte anonym bleiben. Für Herbert Henzler ist es immer noch ein Traumberuf. Er arbeitete mehr als 30 Jahre bei McKinsey. Zuletzt als Leiter

  • Von: Ariane Breyer, Zeit Online
  • Datum: 01.04.2012 – 14:22 Uhr

Der Aussteiger*: Irgendwann hatte ich die Nase voll. Da war ich seit zwei Monaten gar nicht mehr zur Ruhe gekommen. Ich bin irgendwo gelandet, hab den ganzen Tag gearbeitet, bin wieder abgeflogen. Manchmal habe ich vergessen, wo ich eigentlich war. Es gab keine Erholung, immer nur das aktuelle Projekt.

Der Aufsteiger: So ein Leben ist nichts Ungewöhnliches. Beratungsunternehmen folgen dem Prinzip “Client first”. Den Spruch hört man mehrmals in der Woche. Der Kunde soll das Gefühl haben, dass er das Wichtigste ist. Dass die Dienstleistung für ihn unser oberstes Ziel ist.

Der Aussteiger: Das Bild, das die großen Beratungsunternehmen vermitteln, ist: Wir lösen komplexe Fragen, analytisch sind wir top, bei uns arbeiten nur die Besten der Besten. So funktioniert auch das Selbstverständnis der Berater: Wir sind hart, wir arbeiten hart, die Firma ist kein Ponyhof. Diese ganzen Klischees stimmen einfach nicht.

Der Aufsteiger:Als Berater sollte man durchaus mit einem gewissen Selbstbewusstsein auftreten. Als ich mit 27 Jahren bei McKinsey einstieg, war mein erster Kunde ein großes Pharmaunternehmen. Meine Kollegen und ich arbeiteten direkt mit dem Vorstand zusammen. Wir fühlten uns bärenstark. Hätte man uns gesagt, wir sollen helfen mit dem Forscherteam des Unternehmens, ein Krebsmittel zu erfinden – wir hätten geantwortet: Das schaffen wir. Das war natürlich Unfug. Read the rest of this entry »