Rechtfertigungen einmal anders …

10. December 2012

Alexander Schön

Serie Realitätsverweigerung #10

Alexander Schön, 10.12.2012

Im Rahmen eines groß angelegten Veränderungsprojektes beschäftigt mich gerade ein Phänomen, das ich zwar schon öfter erlebt, aber noch nie so bewusst in allen Facetten benannt gefunden habe:
Veränderung muss sich umfassend rechtfertigen und ihre Absichten und Zielsetzungen penibel begründen – das Beibehalten des Status Quo, das Festhalten am bisher Gewohnten, praktisch überhaupt nicht.

Stellen Sie sich vor: Eine neue Geschäftsführerin konfrontiert, nachdem sie sich einen ersten Überblick verschafft hat, die Abteilungsleiter im nächsten Management-Meeting: „Unsere Erträge sind rückläufig, wir stagnieren bei den Kunden und unsere Dienstleistungen werden oft bemängelt. Meine erste Diagnose: Unser Geschäftsmodell, unsere Auffassung von Leadership und unsere Organisationsform widersprechen sich.“
Viele würden jetzt fragen: „Was können wir tun?“ Manche wären schon weiter und fragten (dem First Law of Holes ausweichend: If you are in one stop digging!): „Was müssen wir anders tun?“ Unsere Geschäftsführerin fordert aber: „ … Begründen Sie mir gut, warum wir so weiter arbeiten sollen, wie wir es derzeit tun!

Es bräuchte wahrscheinlich mehrere Iterationen bis all der Argumentationsmüll rund um Besitzstandregelung (engl.: grandfathering), Machterhaltung, simple Ursache-Wirkungs-Logik, Not-invented-here-Syndrom, u.a.m. entsorgt wäre. Aber dann könnten ein paar Pretiosen zum Vorschein kommen. Etwa das gegenseitige Verständnis von Realitäten oder zumindest deren Anerkenntnis.

Vielfach ist zu beobachten, dass Unternehmen noch immer so agieren, als ob Zukunft vorhersagbar wäre. Zumindest deuten die angewandten Handlungsstrategien darauf hin. Die klassischen Managementmethoden in dieser Annahme heißen Read the rest of this entry »