45 Prozent der heutigen Jobs durch Roboter bedroht

3. December 2015

3. Dezember 2015, 16:56, derstandard.at

Die Berufe Verkäuferin und Sekretärin sind laut Unternehmensberater A. T. Kearney Auslaufmodelle

Düsseldorf – Geht es nach einer Studie des Unternehmensberaters A. T. Kearney, sind 45 Prozent der heute von Menschen ausgeübten Jobs durch die Einführung von Maschinen bald überflüssig. “In zwanzig Jahren wird fast die Hälfte der heutigen Arbeitsplätze in Deutschland durch Roboter ersetzt werden, die die Jobs effizienter erledigen können”, ist Europachef Martin Sonnenschein überzeugt. Der Analyse zufolge weisen in der Bundesrepublik mehr als 300 und damit ein Viertel aller Jobprofile in den nächsten beiden Jahrzehnten ein hohes Automatisierungsrisiko auf. Der Effekt für den deutschen Arbeitsmarkt könnte drastisch sein, weil in diesen Bereichen 17,2 Millionen Männer und Frauen beschäftigt seien – das sind 45 Prozent aller Beschäftigten in unserem Nachbarland. Allerdings entfällt auch ein Beruf mit hoher Automatisierungswahrscheinlichkeit nicht zwangsläufig vollständig.

Die am meisten gefährdeten Berufe

Zu den zehn am meisten gefährdeten Berufen in Deutschland gehören demnach Büro- und Sekretariatstätigkeiten, Berufe in Verkauf und Gastronomie oder kaufmännischer und technischer Betriebswirtschaft ebenso wie Köche und Bankleute. In die Top Ten der nicht gefährdeten Berufe fallen vor allem Branchen, in denen Empathie oder emotionale Intelligenz gefordert sind – wie etwa in der Pflege, Erziehung und Sozialarbeit, aber auch bei Führungsaufgaben und in Forschung und Lehre. Als roboterresistent gelten auch viele Berufe in den MINT-Bereichen (Mathematik, Informatik, Natur- und Ingenieurwissenschaft und Technik). “Es macht keinen Sinn, solchen sich rasant wandelnden Jobprofilen nachzutrauern”, sagt der Studienverantwortliche Volker Lang. Auch bei der Einführung der Eisenbahn habe es geheißen, dass dies Kutscher und Droschkenfahrer überflüssig machen werde. Doch technologische Innovationen und Strukturwandel hätten bisher auch immer wieder neue Jobs und neuen Wohlstand mit sich gebracht. “Nach neuen Möglichkeiten suchen” Der Einzug von Robotern werde zwar große Teile der Arbeitswelt auf den Kopf stellen, betont Sonnenschein. Doch statt abzuwarten und sich von der Automatisierung überrollen zu lassen, sollte man sich mit “Mut zu Wandel und Veränderung darauf einlassen – und nach den neuen Möglichkeiten zu suchen, die sich daraus ergeben”. Die Unternehmensberatung hat im Rahmen ihrer Initiative “Deutschland 2064 – die Welt unserer Kinder” untersucht, welchen Einfluss Roboter und Automatisierung zukünftig auf unsere Arbeitswelt haben werden. Die Berechnungen, die A. T. Kearney nach eigenen Angaben in Anlehnung an die Forschungsarbeiten der Oxford-Professoren Carl Benedikt Frey und Michael Osborne für den deutschen Arbeitsmarkt durchgeführt hat, bestimmen, wie wahrscheinlich die Automatisierung in rund 1300 Berufen ist. (red, 3.12.2015) – derstandard.at/2000026900097/45-Prozent-der-heutigen-Jobs-durch-Roboter-bedroht

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Beraten und verkauft?

4. October 2010

Gar nicht schlecht für einen Universitätsprofessor. Gut, hat ja auch selber Beratererfahrung! (hfk)

01. Oktober 2010, 17:11, Karriere Standard

Artikelbild: Johannes Steyrer. - Foto: STANDARD

Johannes Steyrer.

Über die Licht- und Schattenseiten des Beratereinsatzes sprach Hartmut Volk mit Johannes Steyrer von der Interdisziplinären Abteilung für Verhaltenswissenschaftlich orientiertes Management an der WU Wien

STANDARD: Professor Steyrer, ohne externe Wegweisung scheint Unternehmensführung nicht mehr zu funktionieren. Hat das Management Angst vor der eigenen Courage?

Steyrer: Externer Rat war zu allen Zeiten gefragt. Denken Sie an das Orakel von Delphi, die weithin gefragte Ratgeberinstitution der Antike. Letztlich sind auch die großen Weltreligionen solche Ratgeber- und Wegweiserinstitutionen. Sich beraten und sich damit eine Wegweisung geben zu lassen, ist also eine feste Institution des menschlichen Lebens, insofern also nichts Außergewöhnliches oder gar Beunruhigendes.

In diesem Sinne sehe ich in der enormen Beraterdichte unserer Tage denn auch weniger ein Indiz für mangelnde Courage des Managements als eine Antwort auf die ungeheure Komplexität des heutigen wirtschaftlichen Geschehens. Die Komplexität der Entscheidungen und der Druck, rascher und immer rascher handeln zu müssen, lösen Unsicher-heitsgefühle aus und das Bedürfnis, sich zu besprechen. So kommen die Berater ins Spiel. Mit anderen Worten wird der Komplexität auf der einen Seite die Komplexität, sprich der massive Beratereinsatz, auf der anderen Seite entgegengesetzt. Dass dabei das ausgeprägte Absicherungsdenken auf der einen Seite die andere Seite zu einer munteren Geschäftemacherei inspiriert, wird niemand bestreiten.

STANDARD: Es gibt also gute Gründe, sich beraten zu lassen?

Steyrer: Mit den Augen des Managements betrachtet, unter mannigfaltigen Aspekten unbedingt. Die Entscheider erhalten eine professionelle Diagnose des Unternehmens. Sie hören zu kontroversen Ansichten eine neutrale Meinung und erhalten eine andere Sicht der Entscheidungspraxis. Sie gleichen mit Beraterhilfe Kompetenzdefizite im Unternehmen aus. Sie bekommen Empfehlungen, was in problematischen Situationen zu tun ist. Sie werden in die Lage versetzt, Veränderungen in Gang zu setzen, die ohne Berater oft nicht anzustoßen wären. Read the rest of this entry »