Beraten und verkauft?

4. October 2010

Gar nicht schlecht für einen Universitätsprofessor. Gut, hat ja auch selber Beratererfahrung! (hfk)

01. Oktober 2010, 17:11, Karriere Standard

Artikelbild: Johannes Steyrer. - Foto: STANDARD

Johannes Steyrer.

Über die Licht- und Schattenseiten des Beratereinsatzes sprach Hartmut Volk mit Johannes Steyrer von der Interdisziplinären Abteilung für Verhaltenswissenschaftlich orientiertes Management an der WU Wien

STANDARD: Professor Steyrer, ohne externe Wegweisung scheint Unternehmensführung nicht mehr zu funktionieren. Hat das Management Angst vor der eigenen Courage?

Steyrer: Externer Rat war zu allen Zeiten gefragt. Denken Sie an das Orakel von Delphi, die weithin gefragte Ratgeberinstitution der Antike. Letztlich sind auch die großen Weltreligionen solche Ratgeber- und Wegweiserinstitutionen. Sich beraten und sich damit eine Wegweisung geben zu lassen, ist also eine feste Institution des menschlichen Lebens, insofern also nichts Außergewöhnliches oder gar Beunruhigendes.

In diesem Sinne sehe ich in der enormen Beraterdichte unserer Tage denn auch weniger ein Indiz für mangelnde Courage des Managements als eine Antwort auf die ungeheure Komplexität des heutigen wirtschaftlichen Geschehens. Die Komplexität der Entscheidungen und der Druck, rascher und immer rascher handeln zu müssen, lösen Unsicher-heitsgefühle aus und das Bedürfnis, sich zu besprechen. So kommen die Berater ins Spiel. Mit anderen Worten wird der Komplexität auf der einen Seite die Komplexität, sprich der massive Beratereinsatz, auf der anderen Seite entgegengesetzt. Dass dabei das ausgeprägte Absicherungsdenken auf der einen Seite die andere Seite zu einer munteren Geschäftemacherei inspiriert, wird niemand bestreiten.

STANDARD: Es gibt also gute Gründe, sich beraten zu lassen?

Steyrer: Mit den Augen des Managements betrachtet, unter mannigfaltigen Aspekten unbedingt. Die Entscheider erhalten eine professionelle Diagnose des Unternehmens. Sie hören zu kontroversen Ansichten eine neutrale Meinung und erhalten eine andere Sicht der Entscheidungspraxis. Sie gleichen mit Beraterhilfe Kompetenzdefizite im Unternehmen aus. Sie bekommen Empfehlungen, was in problematischen Situationen zu tun ist. Sie werden in die Lage versetzt, Veränderungen in Gang zu setzen, die ohne Berater oft nicht anzustoßen wären. Read the rest of this entry »

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